Dienstag, 2. April 2013

Über Popkulturkalauer und die Gefahr dahinter.

Edward ist kein richtiger Vampir - Er glitzert!
Edward Cullen ist eine Glitzerfee!
Twilight ist für 12 jährige Mädchen! So albern!
Fifty Shades of grey ist dermaßen witzig! Die Sexszenen! Lololol!


Seit vielen Jahren klopfen sich einige junge Leute in fehlplatziertem Glauben an ihren eigenen Intellekt bei solchen Aussagen munter auf die Schenkel, werfen den Kopf zurück und glauben sie seien Rebellen, die das Wesen dieser Bücher durchschaut haben.
Weder die Tatsache, dass die Romane ungesunde Beziehungen glorifzieren und ein schlechtes Beispiel für junge Menschen darbieten, noch das Erschreckende hinter der punktgenau geplanten Verkaufsstrategie die auf bestimmte Zielgruppen ausgerichtet versucht Kaufkraft zu generieren ist es, was die Runde macht - Es ist das Glitzern.
Ich kann nicht umhin, mich zu fragen, ob dies ein Problem unserer Zeit, unserer Generation ist oder nicht viel eher die allgemeine Unfähigkeit die Gefahr hinter harmlosen Dingen zu erkennen?
Natürlich geht auch mir nicht der unfreiwillige Humor ab, der sich ergibt, wenn derart gnadenlos der Versuch Schönheit zu schaffen in Realsatire endet. Der Protagonist, ein Mann, der männlicher ist als alle anderen, (Keiner weiß wirklich was das eigentlich heißen soll) doch bedient sich die Autorin dem weiblichsten Bild, das ihr überhaupt über den Weg laufen kann und karikiert sich letztlich selbst. 
Ein Spaß, ich gebe es zu.
Doch ist er mittlerweile zu einem Symbol für Ignoranz verkommen.
Das eigentliche Problem hinter "Twilight" und "Fifty Shades of grey" sind nicht die lächerlichen Vergleiche, der furchtbare Schreibstil oder die beinahe ikonisch gewordenen Unsinnigkeiten, sondern was die Konklusion für den geneigten Leser darstellt.
Nehmen wir die alles dominierenden Prämissen heraus, erscheinen uns beide Romane auf einmal erschreckender:

Szenario A:
Ein junges Mädchen zieht in eine neue Stadt, wo sie auf einen geheimnisvollen jungen Mann trifft, der sich zunächst abweisend verhält. Er rettet sie, woraufhin sie ein kurzes Gespräch führen. Immer wieder treffen sie aufeinander, der Mann stößt sie von sich. Schließlich erfährt sie, dass er stets Gefahr läuft sie zu töten, das es ihm schwer fällt seine Neigungen zu Gewalt unter Kontrolle zu halten und sie besser daran täte zu fliehen. Sie tut es nicht. Sie werden ein Paar.
Er sperrt sie ein, verbietet ihr den Umgang mit Freunden, schreit sie an, entmündigt sie und verlässt sie schließlich. Sie, die keine anderen Interessen besitzt außer ihn, will unbedingt erneut gerettet werden, weshalb sie sich in Gefahr begibt. Letztlich kehrt er zurück, verletzt sie einige Male und all dies wird uns als die wahre Liebe serviert. Er kann doch nichts dafür. Er MUSS ihr wehtun. Er KANN sich nicht wehren und dass er sich wie ein Kind verhält, indem er sich andauernd selbst bemitleidet wird dem Leser als das verkauft, das ihn entschuldigt.
Er verletzt sie, respektiert sie nicht und versucht sie zu beherrschen - Dass es ihm leid tut, macht alles wieder gut. Egal wie oft es geschieht.
Sie hat keine Freunde in diesen Romanen. Nur zwei Liebesinteressen, die um sie kämpfen als sei sie eine willenlose Trophäe. Und wie verhält sie sich? Selten als etwas Anderes. Keine Hobbies, keine Vorlieben, wir wissen nichts über Bella Swan, außer dass sie Edward unsterblich liebt.
Wie eine gute, kleine Frau es sollte.

Szenario B:
Eine junge Studentin trifft auf einen Mann, der sexuelles Interesse an ihr hat, obwohl...oder auch weil sie noch keinerlei Erfahrungen in diesem Gebiet machen konnte. Er gibt sich beherrschend und ist ihr in jedem Aspekt des Lebens derart überlegen, dass es schon besorgniserregend ist. Die junge Frau versucht halbherzig mit ihm auf gleiche Augenhöhe zu kommen, gibt sich aber irgendwie doch damit zufrieden, dass er auf sie hinabblickt. Er reicht ihr einen Vertrag in dem er sie verpflichtet diese und jene Praktiken auszuführen, obgleich sie nicht einmal weiß was die Hälfte dieser Begriffe überhaupt bedeuten. Er zeigt kein Einfühlungsvermögen, kein Verständnis und als sie sich weigert den Vertrag zu unterschreiben, spielt selbst dies keine Rolle mehr. Der Leser soll dies als romantische Beziehung schlucken, die jedes Hindernis überwinden kann. Er ist eine gequälte Seele und nur ihre feminine Geduld und Unschuld kann es schaffen ihn zu retten. Seine Vorlieben im Bett werden ungesunderweise auch hierbei erklärt. Er lässt sie im Stich, zeigt inakzepables Verhalten indem er ihre Wünsche nicht berücksichtigt und wird damit entschuldigt, dass sie letztlich ihren Höhepunkt erreicht. Ob dies allein eine körperliche Reaktion war, während ihr Verstand dies nicht wollte, spielt keine Rolle. Wie eine gesunde, einfühlsame SM-Beziehung aussieht, erfahren wir nie. 
Das Ideal ist wieder einmal die Kontrolle des einen Partners über den Anderen.

Wir leben in einer geschlechterfeindlichen Gesellschaft. Das ist ein Fakt.
Es war schon schlimmer und garantiert könnte es uns schlechter ergehen als heute. Doch viel gefährlicher sind die kleinen Banalitäten, die wir nicht mehr beachten, die unterschwellig dann aber eine große Wirkung besitzen. 
Wenn man uns vormacht dass Gleichberechtigung Fordernde (Nicht auf dem Papier, aber in den Köpfen!) durchgedrehte Emanzen sind, wird sich nie etwas ändern. Die Ungleichheit, die nicht als solche erkannt wird, ist immer die Gefährlichste.

Bücher wie "Twilight" oder "Fifty shades of grey" wirken auf Außenstehende wie harmlose Unterhaltungsliteratur, die gar nicht versucht tiefgründig zu sein. Das stimmt.
Aber sie fungiert für viele Fans als Beispiel. Als Vorbild. Aber was zeigt dieses Vorbild jungen Menschen? Ein Partner ist dazu berechtigt den anderen Partner zu ignorieren, zu bevormunden, zu misshalnden vielleicht sogar, solange er gut aussieht und gequält dabei gucken kann.

Diese Ungleichheit betrifft nicht allein Frauen.
Auch Männer können darunter leiden. Sie werden unrealistischen Erwartungen ausgesetzt, die keiner erfüllen kann und stehen unter enormen Druck.
Es entsteht ein falsches Bild, wie Rollen verteilt sein müssen.
Ein Mann muss gut aussehen, dominant seine Frau beschützen, die sich rührend um ihn kümmert und sich dies gefallen lässt.
Nicht einmal die oben genannten Witzereißer machen es besser, wenn sie das Glitzern des Edwards als unmännlich deklarieren und uns vormachen SIE wüssten was Männlichkeit bedeutet!

Ich fordere hiermit nicht das Verbannen dieser Romane, doch vielleicht einen etwas kritischeren Blick auf die Grundaussagen die hier getroffen werden.
Es dreht sich nicht alles um ein wenig Glitzerstaub.

2 Kommentare:

  1. Ich stimme dir so sehr zu. Ich kann auch nicht glauben, dass viele dass so sehr ...mögen. So eine Beziehung haben wollen. Ich kenne genügend die genau dies wollen. "Ja ich möchte das Gleiche haben, wie die Frau bei Shades of Grey" und ich denke mir nur meinen Teil. Danke für den tollen Post!

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